Sorge

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Sor|ge ['zɔrgə], die; -, -n:
1. bedrückendes Gefühl der Unruhe und Angst:
ich habe große Sorgen; wir machen uns Sorgen um unseren Freund; etwas erfüllt jmdn. mit Sorge; keine Sorge, wir werden das schon schaffen.
Syn.: Besorgnis.
Zus.: Alltagssorge, Existenzsorge, Geldsorge.
2. <ohne Plural> das Sorgen für jmdn., das Bemühen um jmds. Wohlergehen:
die Sorge für ihre Familie forderte alle ihre Kräfte.

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Sọr|ge 〈f. 19
I 〈zählb.〉 Unruhe, Ängstlichkeit, Kummer (um etwas od. jmdn.) ● \Sorgen haben; du hast \Sorgen! 〈iron.; erstauntwie kann dich eine Kleinigkeit so bekümmern?; dein schlechtes Aussehen macht mir \Sorgen; mach dir (darum, darüber, deshalb) keine \Sorgen ● deine \Sorgen möcht ich haben! 〈iron.〉 deine S. sind ja geringfügig gegen meine od. die anderer Menschen; aller \Sorgen ledig sein; berufliche, finanzielle \Sorgen; drückende, große, quälende, schwere \Sorge; wenn das deine einzige \Sorge ist (dann ist es ja nicht so schlimm)! 〈leicht iron.〉; das ist meine geringste \Sorge; keine \Sorge! (das erledige ich schon); kleine Kinder, kleine \Sorgen, große Kinder, große \Sorgen 〈sprichwörtl.〉; du machst dir unnötige \Sorgen ● ich komme aus den \Sorgen nicht heraus; ich bin in \Sorge, weil er so lange ausbleibt; sei ohne \Sorge!; ich mache mir \Sorgen um ihn
II 〈unz.〉 fürsorgliches Bemühen um jmdn. od. etwas ● lassen Sie das meine \Sorge sein kümmern Sie sich nicht darum, überlassen Sie das nur mir; 〈abweisend〉 das geht Sie nichts an; für Ruhe und Ordnung \Sorge tragen sorgenliebevolle, mütterliche \Sorge
[<mhd. sorge <ahd. sor(a)ga <got. saurga <idg. *suergh- „sich um etwas kümmern“, daneben idg. *serg(h)- „krank sein“, daher bis heute zwei verschiedene Bedeutungen: 1. „quälende, innere Unruhe, seelische Gedrücktheit“; 2. „Bemühung“]

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Sọr|ge , die; -, -n [mhd. sorge, ahd. sorga, eigtl. = Kummer, Gram]:
1. (durch eine unangenehme, schwierige, gefahrvolle Situation hervorgerufene) quälende Gedanken; bedrückendes Gefühl der Unruhe u. Angst:
drückende, ernste -n;
wirtschaftliche, gesundheitliche, häusliche -n;
mich peinigen schwere -n;
auf ihm lastet die bange S. um den Arbeitsplatz;
meine S. ist groß, dass er wieder fällt;
keine S. (nur ruhig), wir schaffen das schon!;
ich habe [große] S., ob du das durchhältst;
ich habe keine S. (ich bin zuversichtlich), dass er die Prüfung besteht;
sich um jmdn., etw. S., [keine] -n machen;
deine Gesundheit macht, bereitet mir [ernstlich] -en;
mach dir darum, darüber, deswegen keine -n;
jmds. -n [nicht] teilen;
jmds. geheime -n und Nöte kennen;
seine -n in Alkohol ertränken;
jmdm. die -n vertreiben;
seine -n vergessen;
diese S. sind wir endlich, wenigstens los;
um jmdn., jmds. Gesundheit sehr in S. (sehr besorgt) sein;
etw. erfüllt jmdn. mit S.;
R der hat -n! (ugs. iron.; er regt sich über belanglose, unwichtige Dinge auf);
deine -n möchte ich haben! (ugs. iron.; du regst dich über belanglose, unwichtige Dinge auf).
2. <o. Pl.> (geh.) Bemühen um jmds. Wohlergehen, um etw.; Fürsorge:
die S. füreinander;
die gegenseitige S.;
die Zukunft seiner Kinder war seine größte S.;
das ist seine S. (darum muss er sich kümmern);
das lass nur meine S. sein;
erfüllt von liebender S.;
für jmdn., etw./(schweiz. auch:) jmdm., einer Sache S. tragen (geh.; für jmdn., etw. sorgen: tragen Sie bitte S. dafür, dass das nicht wieder vorkommt).

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I
Sorge
 
[althochdeutsch sorga, eigentlich »Kummer«, »Gram«]. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat der Begriff zwei Bedeutungstendenzen: Einerseits ist Sorge ein »ängstlich abwartendes Angespanntsein auf etwas« (Sorge um), andererseits ein »hingebender Einsatz« (Sorge für). In der Philosophie wurde der Begriff v. a. von M. Heidegger verwendet. Im Rahmen seiner Existenzialontologie dient er ihm zur fundamentalen Bestimmung des »Seins des (menschlichen) Daseins«. In der Sorge vernimmt der Mensch sein Sein. In Bezug auf die Umwelt ist sein Dasein Besorgen, in dem zu seinen Mitmenschen Fürsorgen.
II
Sọrge,
 
1) Georg Andreas, Komponist und Musiktheoretiker, * Mellenbach-Glasbach (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) 21. 3. 1703, ✝ Lobenstein 4. 4. 1778; wirkte seit 1721 als Hof- und Stadtorganist in Lobenstein. Seine Kompositionen (v. a. Klavier- und Orgelwerke) gehören stilistisch in die Übergangszeit vom Spätbarock zur Frühklassik. Seine Bedeutung als Theoretiker beruht auf seinen Untersuchungen zum Problem der Temperatur (»Anweisung zur Stimmung und Temperatur. ..«, 1744), auf seiner Entdeckung der Kombinationstöne (noch vor G. Tartini, 1754) und auf einer die kompositorische Praxis der Zeit reflektierenden Harmonielehre, die er unabhängig von J.-P. Rameau und F. W. Marpurg und zum Teil mit anderen Grundgedanken v. a. in seinem Hauptwerk »Vorgemach der musicalischen Composition« (3 Bände, 1745-47) sowie im »Compendium harmonicum« (1760) niederlegte.
 
 2) Peter, Maler, Zeichner und Grafiker, * Berlin 14. 4. 1937, ✝ ebenda 17. 1. 2000; Vertreter des kritischen Realismus. Er übertrug Zitate aus Illustrierten sowie Zeitungs- und Magazinfotos collageartig in seine Bilder, Zeichnungen, Lithographien und Radierungen und bezog in seinen Arbeiten Stellung gegen Krieg, Gewalt und Ausbeutung.
 
 
 
L. C. Poll: P. S. Werk-Verz. der Radierungen, Lithographien u. Handzeichnungen 1963-1979 (1979);
 
P. S., Bilder, Zeichnungen, Grafik, Ausst.-Kat. (1987).
 
 3) Reinhard Johannes, Schriftsteller, * Rixdorf (heute zu Berlin) 29. 1. 1892, ✝ (gefallen) bei Ablaincourt (Département Somme) 20. 7. 1916; Jurastudium in Jena, später freier Schriftsteller. 1913 Übertritt zum Katholizismus. Sorge begann mit frühexpresionistischer Lyrik; sein Drama »Der Bettler« (1912) gilt nach Gehalt und Form als das erste weltanschauliche revolutionäre Drama des Expressionismus: Im Mittelpunkt steht der junge, verzweifelte, einsame Mensch im Kampf gegen eine dem Materialismus verfallene Welt, jegliche Bindung an eine Gemeinschaft fehlt. Später verfasste Sorge Mysterienspiele und religiöse Epen. Er war 1912 zusammen mit H. Burte erster Träger des Kleist-Preises.
 
Weitere Werke: Guntwar (1914); Metanoeite (1915); König David (1916); Nachgelassene Gedichte (herausgegeben 1925).
 
Ausgabe: Werke, herausgegeben von H. G. Rötzer, 3 Bände (1962-67).
 
 4) Richard, Journalist, * Adschibend (bei Baku) 4. 10. 1895, ✝ (hingerichtet) Tokio 7. 11. 1944; ab 1898 in Deutschland, trat 1919 der KPD, 1925 der KPdSU bei. Von der Nachrichtenabteilung der Komintern 1925 angeworben, entfaltete er seitdem eine intensive Spionagetätigkeit für die UdSSR, 1928-29 in Großbritannien und Skandinavien, 1929-33 in China, seitdem in Japan. Getarnt als Korrespondent der »Frankfurter Zeitung« in Tokio, baute er dort einen Spionagering auf. Während Sorge selbst zum inoffiziellen Mitarbeiter der deutschen Botschaft avancierte, hatte sein Hauptinformant Ozaki Hotsumi (* 1901, hingerichtet 7. 11. 1944) freien Zugang zu höchsten Regierungskreisen um Ministerpräsident Fürst Konoe Fumimaro. Im Mai 1941 unterrichtete Sorge die UdSSR von der bevorstehenden deutschen Invasion. Nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR (22. 6. 1941 versetzte im Oktober 1941 die Mitteilung Sorges an den sowjetischen Geheimdienst, Japan werde die UdSSR nicht angreifen, Stalin in die Lage, die sowjetischen Truppen im Fernen Osten als Verstärkung im Westen gegen die deutschen Streitkräfte einzusetzen. Im selben Monat wurde Sorge von der japanischen Polizei verhaftet.
 
 
M. Boveri: Der Verrat im 20. Jh. (Neuausg. 1976);
 H. O. Meissner: Der Fall S. (1978);
 P. Knightley: Die Gesch. der Spionage im 20. Jh. (a. d. Engl., Bern 1989);
 R. Whytmant: Stalin's spy. R. S. and the Tokyo espionage ring (London 1996).

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Sọr|ge, die; -, -n [mhd. sorge, ahd. sorga, eigtl. = Kummer, Gram]: 1. (durch eine unangenehme, schwierige, gefahrvolle Situation hervorgerufene) quälende Gedanken; bedrückendes Gefühl der Unruhe u. Angst: drückende, ernste -n; wirtschaftliche, gesundheitliche, häusliche -n; ihn peinigen schwere -n; auf ihm lastet die bange S. um den Arbeitsplatz; meine S. ist groß, dass ...; keine S. (nur ruhig), wir schaffen das schon!; ich habe [große] S., ob du das durchhältst (ich fürchte, du hältst es nicht durch); ich habe keine S. (ich bin zuversichtlich), dass er die Prüfung besteht; finanzielle, berufliche -n haben; sich um jmdn., etw. S., [keine] -n machen; deine Gesundheit macht, bereitet mir [ernstlich] -en; mach dir darum, darüber, deswegen keine -n; jmds. geheime -n und Nöte kennen; jmds. -n [nicht] teilen; seine -n in Alkohol ertränken; jmdm. die -n vertreiben; seine -n vergessen; diese S. sind wir endlich, wenigstens los; dieser S. bin ich endlich enthoben, ledig; um jmdn., jmds. Gesundheit sehr in S. (sehr besorgt) sein; etw. erfüllt jmdn. mit S.; R der hat -n! (ugs. iron.; er regt sich über belanglose, unwichtige Dinge auf); deine -n möchte ich haben! (ugs. iron.; du regst dich über belanglose, unwichtige Dinge auf); wer -n hat, hat auch Likör (scherzh. nach Wilh. Busch, Fromme Helene). 2. <o. Pl.> Bemühen um jmds. Wohlergehen, um etw.; Fürsorge: die S. füreinander; die gegenseitige S.; die S. für die Familie fordert all ihre Kräfte; die S. des Staates für seine Bürger, für das Bildungswesen, für die Wirtschaft; die Zukunft seiner Kinder war seine größte S.; das ist seine S. (darum muss er sich kümmern); das lass nur meine S. sein (dafür werde ich sorgen; dafür übernehme ich die Verantwortung); sie wacht mit mütterlicher S. bei dem kranken Kind; erfüllt von liebender S.; *für jmdn., etw./(schweiz. auch:) jmdm., einer Sache S. tragen (geh.; für jmdn., etw. sorgen): Er werde für die Verpflegung und die Heimkehr der Gefangenen ... S. tragen (Niekisch, Leben 372); tragen Sie bitte S. dafür, dass das nicht wieder vorkommt; Du, trag ihm S.! (Frisch, Nun singen 127).

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Sorge — Sf std. (8. Jh.), mhd. sorge, ahd. sorga, as. sor(a)ga Stammwort. Aus g. * surgō f. Sorge , auch in gt. saurga, anord. sorg, ae. sorh, sorg; ahd. (ofrk.) sworga mit abweichendem Anlaut ist wohl sekundär. Außergermanisch vergleichen sich ai.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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